Geschichtenwerkstatt im Kulturfenster: Was wäre wenn?

Am Samstag, den 19. November habe ich einen Workshop für kreatives Schreiben für Kinder von 8-12 Jahren im Kulturfenster in Heidelberg gegeben. Dies war erst mein zweiter Schreibworkshop. Während ich in meinem ersten Schreibworkshop in der Stadtbücherei Heidelberg mit einer Geschichte zum Weitererzählen gearbeitet habe, habe ich diesen Workshop ganz anders aufgezogen.

Ich hatte mir für das Kulturfenster einen anderen Zugang zum Schreiben erarbeitet. Neun neugierige Kinder, die zwischen 8 und 12 Jahren alt waren, erwarteten mich. Ich begann damit, den Kindern zu erzählen wie Michel Angelo  seinen  David  geschaffen hatte. Einige Kinder kann die Skulptur. Nachdem er viel Bewunderung als Bildhauer für seinen David erhielt, sagte er   „Aber der David war im Marmorblock doch schon drin.“ Und so sagte ich den Kindern, dass in jedem von ihnen schon eine Geschichte schlummerte und dass wir heute so zusammenarbeiten würden, dass jeder seine eigene Geschichte findet, die bereits in ihm steckt. Die auf dem weißen Blatt Papier schon auf sie wartet und nur noch zu Tage befördert werden muss.

Durch Wahrnehmungsübungen und Schreibspiele aus dem Buch  TÜREN ZUR FANTASIE von  Marion Gay habe ich die Kinder an das Schreiben herangeführt. Gemeinsam haben wir uns überlegt, dass die Frage:   WAS WÄRE WENN? oftmals am Anfang steht, bevor Literatur beginnt. Ein achtjähriger Junge wusste Bescheid über Franz Kafkas  VERWANDLUNG. Hier geht es ja um die Frage, was wäre wenn ein junger Mann eines Morgens als Käfer aufwacht. Hilke Rosenboom stellte sich die Frage, was wäre wenn auf meiner Terrasse plötzlich ein sprechendesPferd stünde? Dann schrieb sie EIN PFERD NAMENS MILCHMANN. Auch ich habe den Kindern erzählt das sich zu meinem Buch MALCHEN UND DIE VERGESSENE ZEIT inspiriert wurde durch die Frage was wäre wenn, wir durch die Zeit reisen könnten? So sammelten wir die unterschiedlichsten Ideen.  Die neun kreativen Köpfe um mich herum sprudelten nur so über vor  Einfällen. Ich hatte sozusagen für den Notfall einen riesengroßen Korb mit Requisiten mitgebracht unter einem roten  Fühltuch verborgen. Falls es ein Kind gegeben hätte vor einem leeren weißen Blatt, das gesagt hätte:“ Mir fällt überhaupt nichts ein. Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll.“, hätte ich dieses Kind in den Korb greifen lassen, um ihm so einen gegenständlichen Schreibanlass zu geben. Dies war aber bei diesen Kindern überhaupt nicht notwendig.

Enstanden sind zauberhafte Texte. Fotos der Kinder und ihre Namen darf ich freilich wie üblich aus rechtlichen Gründen nicht mitteilen. Aber damit ihr eine Vorstellung bekommt, möchte ich euch einige Geschichtentitel mitteilen. Die Magie der Welt, Geschichte vom fliegenden Haus und vom  sprechenden Auto, Die Reise der Gegenstände, Die magischen Eulen, In der Süßigkeiten Welt, Ein Alien kommt auf die Erde. Ein Kind hatte die Idee entwickelt, dass alle Gegenstände, die in Familien schlecht behandelt werden, sich zusammentun, um gemeinsam auf eine einsame Insel auszureisen. Der Rucksack der vom Teenager  in die Ecke getreten wird, die Parkbank, die mit Graffiti besprüht wird, sie alle machen sich auf den Weg und hauen gemeinsam ab. Was für eine originelle Idee.

Ich vermisse seit 3 Monaten mein Brotmesser.Vor dem Workshop war ich mir ganz sicher gewesen, dass ich  es am Schulfest das letzte Mal gesehen hatte.  Jetzt ertappe ich mich allerdings bei  der Frage, ob ich vielleicht irgendwie schlecht zu meinem Brotmesser gewesen bin. Vielleicht liegt es längst auf den Bahamas:)

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Ulla Werner vom Kulturfenster rief mich vorgestern an, um mir zu sagen, dass die Eltern angesteckt wurden von der Begeisterung ihrer Kinder nach dem Workshop. Sie fragten gleich nach Folge-Workshops. Also haben wir gleich mal zwei für das neue Jahr vereinbart ( Juni und November).

Eben habe ich auch noch einen mit der Stadtbücherei Heidelberg vereinbart für April 2017. Ich habe auf dem Herzen, da einen Geschichtenworkshop zur Förderung von Kindern mit Legasthenie anzubieten. Unter meiner Anleitung erzählen die Kinder ihre eigenen Geschichten, die durch ein Texterkennengsprogramm in Text umgewandelt werden sollen. Dies fördert ihre Kreativität ebenso wie ihr Selbstbewußtsein. Einen fehlerfreien selbstproduzierten Text mit nach Hause zu nehmen wird ein neues und schönes Gefühl für die Kinder sein.

Alle Termine findet Ihr dann auch auf meiner Website www.julianekayser.de unter News, ebenso auf der Website des Kulturfensters oder der Stadtbücherei Heidelberg.

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